Geschichte und Philosophie des Watanabe Teegartens

Der Teegarten von Mankichi Watanabe liegt in einer märchenhaft schönen Umgebung, die man wirklich als kleines Paradies bezeichnen kann. Ringsherum befinden sich weder Teegärten von anderen Betrieben, noch andere landwirtschaftliche Flächen. Die Teegarten-Parzellen von Mankichi Watanabe sind lediglich umsäumt von Waldflächen und kleineren Gebüschen. Ein Teegarten in freier Wildbahn der Insel Yakushima, etwa 140 km südlich der Stadt Kagoshima.

Frau Gotos Idee der Biolandwirtschaft

Frau Goto, eine gute Freundin und Mitarbeiterin des Betriebs, stieß beim Lesen eines Buches auf die Idee des ökologischen Landbaus, und überzeugte daraufhin Mankichi Watanabe in den 1990er Jahren den Betrieb komplett auf biologischen Tee-Anbau umzustellen. In der perfekten Umgebung, die Dank der Wälder, des sauberen Wassers und der klaren Luft, sowie einer mannigfaltigen Tier- und Pflanzenwelt schon fast als ein Vorzeigemodel für ökologisches Gleichgewicht angesehen werden könnte, hat die Umstellung auf den Bio-Tee-Anbau sehr gut funktioniert.

Heutzutage fügt sich der Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe gut ein in das Gesamtbild der Insel Yakushima, von der mittlerweile große Teile unter Naturschutz stehen. Für die wunderschönen, mehrere tausend Jahre alten Zedern und unfassbar schönen Wälder kommen schon auch mal Touristen aus dem Ausland auf die Insel. Teebegeisterte zog es bislang jedoch selten nach Yakushima. Obwohl die Anbaubedingungen durch die hohe Feuchtigkeit ideal sind, gibt es auf Yakushima vergleichsweise wenige Teegärten, was wohl auch an dem eng begrenzten Gebiet liegt, in dem Tee-Anbau überhaupt möglich ist. Nur ein schmaler Streifen an der Küste ist an manchen Stellen eben genug für den Anbau. Dahinter geht die Landschaft schnell in die steil hinaufstrebenden Berge über.

Über die Insel Yakushima

Das Zentrum der Insel besteht aus mehreren Vulkanen, von denen der höchste Krater „Miyanoura-Dake“ mit über 1900 m die höchste Erhebung der Region Kyushu darstellt, zu der Yakushima gerade noch dazu gezählt wird. Von der Mitte aus bis zum Schildkrötenstrand von Nagata erstreckt sich ein Nationalpark. Da die Insel Heimat von unglaublich vielen Tier- und Pflanzenarten ist, und zudem hier die wahrscheinlich ältesten Zedern der Welt stehen – die älteste soll 7000 Jahre alt sein – wurde die Insel Yakushima im Jahr 1993 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Anbau-Philosophie

Wie man es von einigen anderen Bio-Grüntee-Betrieben kennt, setzt auch Mankichi Watanabe in seinem Bio-Teegarten auf Diversität, soweit dies im Tee-Anbau möglich ist. Dafür pflanzt er in seinen Teegarten-Parzellen unterschiedliche Teestrauchvarietäten an. Darunter befinden sich die im Bio-Tee-Anbau sehr selten vorzufindenden Teestrauchvarietäten Asatsuyu und Sae Midori, aber auch andere Raritäten, die man aus anderen Grüntee-Gärten kaum kennt. Zu nennen ist dabei beispielsweise die Strauchvarietät Kuritawase. Die bei konventionellen japanischen Teegärten extrem weit verbreitete Strauchsorte Yabukita, die oftmals als die gängige Teestrauchvarietät für Sencha angesehen wird (ca. 70-80% des gesamten japanischen Grüntees stammt von Yabukita-Sträuchern), findet sich auch im Teegarten von Mankichi Watanabe, doch eben nur als eine von vielen Strauchsorten. Zudem zählen auch die Teestrauchsorten Yutaka Midori und Kanaya Midori zu den zahlreichen Sorten des Gartens der Familie Watanabe.

Mankichi Watanabe setzt allerdings auch bei seinen Grüntee-Sorten, oder besser seinen gesamten Teesorten, auf Vielfalt, indem er beim Anbau sowohl nicht beschatteten Tee (roji saibai) als auch beschatteten Tee (kabuse saibai / kabusecha) anbaut, sowie bei der Teeverarbeitung verschiedenste Spielarten beherrscht. Den vollen Umfang, bei der „Komposition“ seiner individuellen Teesorten, kann Mankichi Watanabe wunderbar ausspielen, da er zu 100% auf die eigene Produktion zurückgreift, die sich nur fünf Gehminuten von seinen Teegärten entfernt befindet. So können die Blättern für den grünen Tee absolut frisch und ohne Oxidationsspuren verarbeiten werden. Die Verarbeitung umfasst selbstverständlich den ersten Schritt der Dämpfung des grünen Tees, als auch alle weiteren Schritte bis hin zu Endverarbeitung, der Sortierung und der finalen Erhitzung (hi-ire). Das Sortiment umfasst also vielerlei gedämpfte Teesorten wie Shincha, Sencha, Kabusecha und Kukicha, sowie auch den mit selbst geröstetem Reis hergestellten Genmaicha. Ja, auch der selbst geröstete Reis stammt aus Bio-Anbau, obgleich nicht von der Insel Yakushima, aber dennoch aus der Region Kyushu.

Eine Spezialität

Da Mankichi Watanabe bei unserem Besuch Anfang April 2015 in einem Nebensatz auch erwähnte, dass er neben dem grünen Tee auch schwarzen Tee herstellt, waren unsere Gäste damals gleich ganz Ohr und fragten nach, wie er diesen denn herstelle. Für seinen Schwarztee nutzt er nur die Blätter der sehr blumig duftenden Strauchvarietät Kanaya Midori, die er für seine grünen Tees gar nicht verwendet. Da es sich bei der Kanaya Midori, wie der Name schon vermuten lässt, um eine japanische Teestrauchvarietät handelt, unterscheidet sich der Schwarztee von Mankichi Watanabe natürlich allein schon dadurch vom Geschmack von schwarzen Tees aus anderen Ländern.

Kanaya Midori ist eine vergleichsweise spät austreibende Strauchsorte – im Teegarten von Mankichi Watanabe die späteste, deren Blätter somit auch mehr Sonnenlicht sammeln, bevor die Ernte stattfindet. Nach der Welke werden die Blätter gerollt (in der Fachsprache oftmals bezeichnet als geknetet), sodass die Blattzellen aufgebrochen werden. Da die Blätter nicht vorher, wie bei grünem Tee erforderlich kurz erhitzt werden, sind die zelleigenen Enzyme noch aktiv – die Fermentation (oftmals auch als Oxidation bezeichnet, auch wenn dies ungenauer ist) startet. Den Zeitpunkt für den Fermentationsstopp entscheidet Mankichi anhand des Duftes der Blätter. Es entsteht ein wundervoll milder und doch vollmundig Schwarztee („Mankichi Watanabe Kanaya Midori Koucha“), den Mankichi allerdings erst zum Verkauf frei gibt, nachdem er durchschnittlich zwei Jahre bei ihm gelagert wurde. Erst dann hat er seinen typischen Geschmack, der erstaunlicher Weise trotz der Lagerung – oder vielleicht gerade deshalb – mit frisch inspirierenden Nuancen aufwartet.

Natürlich probierten wir ihn alle gleich vor Ort: Der Schwarztee von Mankichi Watanabe findet bei unseren Kunden einen so großen Anklang, dass wir ihn sofort bestellten. Seit Mai 2015 wird also in den Läden unserer Kunden, die damals mit uns unterwegs waren, der frisch, blumig duftende Schwarztee von Mankichi Watanabe angeboten.

Watanabe Koucha

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